Nachhaltiger Pflanzenschutz dank Smart Farming

- Drohnen, Roboter, Hackmaschinen: Smart Farming soll Effizienz und Nachhaltigkeit in der landwirtschaftlichen Produktion erhöhen. Wie umweltschonende, digitale Technologien den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren, erzählt Achim Walter, Professor für Kulturpflanzenwissenschaften an der ETH, im Interview.

Nachhaltiger Pflanzenschutz dank Smart Farming

Herr Walter, die produzierende Landwirtschaft steht wegen der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln in der Kritik. Welche Chancen bietet die Digitalisierung für den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln?

Das Potenzial von Smart Farming ist enorm. Hackgeräte, Drohnen und kameragesteuerte Feldroboter können Unkraut und Krankheiten lokalisieren. Dadurch wird es möglich, Probleme spezifischer zu bekämpfen. Pflanzenschutzmittel und Düngemittel können niedriger dosiert werden und automatisierte, intelligente Verfahren erlauben es, präziser zu hacken als je zuvor. Mit Hilfe von GPS-Technik und Sensoren kommen Massnahmen dort zum Einsatz, wo sie wirklich nötig sind – teilweise isoliert an der betroffenen Pflanze und nicht über ganze Ackerflächen hinweg.

«Mit Hilfe von GPS-Technik und Sensoren kommen Massnahmen dort zum Einsatz, wo sie wirklich nötig sind – teilweise isoliert an der betroffenen Pflanze und nicht über ganze Ackerflächen hinweg.»

Wie verändert die Landwirtschaft 4.0 die Arbeit der Produzenten?

Digitalisierung, Vernetzung und Automatisierung können die Bearbeitung von Anbauflächen effizienter gestalten. Im Idealfall wird die freiwerdende Arbeitskapazität genutzt, um weitere innovative Lösungen für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion voranzutreiben.

Es heisst, Smart Farming könne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um rund ein Viertel senken. Ist das realistisch?

Das hängt vom Anwendungsfall ab. Studien aus den Niederlanden bestätigen diese Zahl – gewisse Untersuchungen sprechen sogar von weitaus höheren Einsparungen. Fakt ist: In der Schweiz ist Smart Farming, aufgrund der Kleinflächigkeit der Agrarlandschaft, weniger stark verbreitet als im grenznahen Ausland. Die Anschaffungskosten digitaler Verfahren sind für kleine Betriebe hoch. Damit sich eine Umstellung wirtschaftlich lohnt, müsste zum Beispiel der Gesetzgeber den Erwerb mittels gezielter Direktzahlungen unterstützen.

Ist die Schweiz überhaupt bereit für den digitalen Wandel in der Landwirtschaft?

Unsere produzierende Landwirtschaft arbeitet im internationalen Vergleich bereits sehr nachhaltig, die Produzenten und Landwirte sind hervorragend ausgebildet und zeigen grosses Interesse, neue und innovative Wege zu beschreiten. Ich hoffe, dass die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative einen offenen Diskurs darüber ermöglicht, wie und wohin sich unsere Landwirtschaft entwickeln soll. Dazu braucht es die Bereitschaft der Produzenten und des Handels. Auf der anderen Seite ist in den letzten Jahren auch auf Konsumentenseite viel Wertschätzung verloren gegangen. Konsumenten und Konsumentinnen müssen sich wieder stärker bewusst werden, wie viel Arbeit in unseren Nahrungsmitteln steckt.

Wird die Schweiz jemals ganz auf Pflanzenschutz verzichten können?

Die Frage ist, was wäre die Konsequenz? Ohne Pflanzenschutz werden nicht nur die Preise von inländischen Lebensmitteln ansteigen, auch die Importe würden zunehmen. Sollen Produktivität und Preisniveau erhalten bleiben, wird es – trotz digitaler Technologien – auch zukünftig nicht komplett ohne Pflanzenschutzmittel gehen. Ausserdem zweifle ich an der Bereitschaft der Konsumenten für einen solchen Wandel: Beim Detailhändler an der Kasse hätten sie ihr Bedürfnis nach pflanzenschutzfreien Produkten schon lange zeigen können. Am Ende entscheidet halt meistens das Portemonnaie.

Achim Walter ist Professor für Kulturpflanzenwissenschaften an der ETH Zürich.

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